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Das Erdbeben in Chili.

Kleist
00 · the play synopsis

Synopsis.

Name

Das Erdbeben in Chili

Arc

Eine Erzählung über den Kollaps ständischer Gesetze durch ein Erdbeben und die gewaltsame Resynchronisation des Mobs.

Die Liebenden Jeronimo und Josephe - verurteilt wegen unstandesgemäßer Liebe und eines außerehelichen Kindes - werden durch ein verheerendes Erdbeben in Santiago im Moment ihrer höchsten Todesnot (Josephe vor der Hinrichtung, Jeronimo vor der Selbsttötung) gerettet, woraufhin die ständischen und moralischen Schranken im Chaos kollabieren und eine Utopie des gegenseitigen Vertrauens im idyllischen Tal entsteht, welche jedoch beim Dankgottesdienst in der Dominikanerkirche durch eine fanatische Predigt und die blutige Gewalt des resynchronisierten Mobs vernichtet wird.

Stakes

Die Möglichkeit einer auf reinem Vertrauen und menschlicher Liebe basierenden utopischen Gemeinschaft abseits ständischer und klerikaler Gesetze, aufgerieben durch das zersetzende Gift religiösen Fanatismus und kollektiver Sündenbock-Gewalt.

Estate

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01 · plots editorial

Plots.

Die Handlung bricht los mit dem Erdbeben, das die Mauern des Kerkers und das Schafott zerbricht, treibt voran über die idyllische Zusammenkunft im Tal der Geretteten und entzündet das mörderische Finale durch den Bußgottesdienst in der Dominikanerkirche.

02 · plot editorial

Der Ordnungskollaps.

Cue

Die repressive Kolonialstadt Santiago de Chili im Juni 1647 im Moment des großen Erdbebens, das die Fundamente der menschlichen Ordnung erschüttert.

Action

Der Plot vollzieht sich vom Schafott und der Todeszelle über die apokalyptische Katastrophe der Zerstörung bis hin zur friedlichen Utopie der Liebe im Fluchtal und endet in der grausamen Danksagung in der Dominikanerkirche, wo die alte gesellschaftliche Ordnung durch den Mob blutig zurückgefordert wird.

Stage

Die brennenden Trümmer der Stadt, der Richtplatz, das unberührte, fruchtbare Piniental und das bedrohliche Innere der heiligen Dominikanerkirche.

Tension

Der unüberbrückbare Widerspruch zwischen der naturgegebenen Freiheit und Menschlichkeit im Ausnahmezustand und der starren, repressiven Struktur einer zivilisierten, klerikalen Gesellschaft, die keine Abweichung duldet.

04 · pitch editorial

das Grässliche.

Tenor

Das Grässliche. Nicht der Schrecken aus der Ferne, sondern der Ekel vor dem, was Menschenhand verübt, wenn die Kanzel das Beil segnet. Gespielt wird in der dumpfen, fleischlichen Tonlage des Pöbels, der in Gottes Namen mordet: das Geheul, mit dem die Menge die Verfluchten umringt, der Keulenschlag, der Frauen und Männer zu Boden streckt, und jenes Bild, das sich nicht mehr wegdenken lässt, der Säugling, an den Pfeiler der Kirche zerschmettert. Der Dankgottesdienst kippt zur Schlachtbank, und der Weihrauch riecht nach Blut.

Undertow

Unter dem Grässlichen läuft die kalte Ordnungslust dessen, der tötet und sich rein fühlt. Es ist keine blinde Wut, sondern ein methodisches Reinwaschen: der Mob sucht den Sündenbock, an dem das Erdbeben sich rächt, und richtet ihn mit der Genugtuung des Gerechten hin. Diese widerliche Selbstgewissheit, die im Schlächter den Frommen sieht, hält die Tonart davon ab, in bloßes Grauen zu verfallen; sie bleibt der ruhige, unerträgliche Klang einer Gewalt, die sich für Andacht hält.

Nerve

Getroffen wird das Zurückweichen des Magens, das Sich-Abwenden-Wollen, das nicht gelingt. Es spielt für den Augenblick, in dem man begreift, dass die Bestie nicht das Beben war, sondern die Versammlung der Geretteten selbst, kaum dass sie wieder ein Dach und eine Kanzel über sich haben. Es zielt auf den Abscheu vor der eigenen Gattung, die in der Kirche das Schlimmste vollbringt, was draußen im Chaos verschont blieb.

Echo

Was bleibt, ist der Brechreiz, der nicht vergeht, und das Wissen, dass keine Erde sich auftat, um diesen Sturz aufzuhalten. Der Nachgeschmack ist der Pfeiler mit dem Blut des Kindes, ein Bild, das jede Hoffnung des Tales nachträglich besudelt. Man trägt nicht die Trauer hinaus, sondern den Widerwillen: dass der Mensch, sobald die Ordnung wieder einrastet, das Wunder mit eigenen Händen zerschlägt.

05 · pitch editorial

das Wunder.

Tenor

Das Wunder. Nicht der Triumph und nicht die Erleichterung, sondern das Staunen dessen, der die Schlinge schon um den Hals fühlte und im selben Atemzug, in dem die Erde sich auftut, ins Freie tritt. Gespielt wird in der hellen, fast ungläubigen Tonlage des Unerhörten: dass der Strick reißt, weil das Schafott fällt, dass die Hinrichtung im Augenblick ihrer Vollstreckung vom Boden selbst aufgehoben wird. Im Tal, wo Fremde Brot teilen und Stände vergessen sind, klingt jeder Ton, als sei die Welt zum ersten Morgen zurückgeschlagen worden.

Undertow

Unter dem Wunder läuft die Ahnung, dass eine Gnade, die ein Erdbeben braucht, keinen Bestand hat. Die Liebenden danken dem Himmel für ihre Rettung, doch derselbe Himmel hat tausend andere unter den Trümmern begraben; das Glück steht auf einem Massengrab. Diese leise Unrast hält das Staunen davon ab, in bloße Rührung zu kippen: die Seligkeit ist echt, aber sie ist geborgt, und in der Tiefe weiß die Tonart, dass das Tal nicht hält, was der Augenblick verspricht.

Nerve

Getroffen wird die jähe Hoffnung, dass das Verlorene doch noch zu retten sei, dass im Sturz aller Ordnung ein reineres Miteinander aufscheint, als die Gesetze es je zuließen. Es spielt für jenes Aufatmen, das einem die Brust weitet, wenn das Unmögliche eintritt, und für den Glauben, kurz und glühend, dass der Mensch dem Menschen ein Bruder sein könnte.

Echo

Was bleibt, ist das Nachzittern des Staunens, das nicht weiß, ob es Dank oder Schauder war. Der Nachgeschmack ist die Süße eines Morgens im Tal, in den sich, kaum merklich, schon der Verdacht mischt, dass eine so reine Stunde teuer bezahlt wird. Man trägt das Bild der geöffneten Kerkerwand hinaus und mit ihm die Frage, ob das Wunder gerettet oder nur aufgeschoben hat.

07 · persona editorial

Der Pater.

Projection

Der Pater - ein fanatischer Priester des Dominikanerordens -, welcher die Zerstörung Santiagos durch das Erdbeben nicht als blindes Naturereignis, sondern als unmittelbare Strafe Gottes für die Sünden der Stadt, insbesondere die Rettung der Sünder Jeronimo und Josephe, deutet.

Action

Er hält in der Dominikanerkirche eine glühende Predigt, schürt die Angst und das Sündenbewusstsein der gläubigen Gemeinde und lenkt den Zorn der Menge auf die anwesenden Liebenden.

Shadow

Ein Eiferer des Glaubens, welcher die Angst der Überlebenden instrumentalisiert, um die alte moralische und klerikale Herrschaftsordnung mit äußerster Brutalität wiederherzustellen.

Tell

Sein erhobener Zeigefinger und die donnernde Stimme von der Kanzel, die das Wehe über die Sünder ausruft.

08 · persona editorial

Don Fernando.

Projection

Don Fernando Ormez - ein vornehmer junger Mann und entfernter Verwandter Juliettas (und Bekannter Josephes) -, welcher im Chaos des Erdbebens besonnen handelt, Josephe im Tal des Vertrauens offen und brüderlich begegnet und die Verstoßenen unter seinen Schutz stellt.

Action

Er beschützt die Gruppe im Tal, nimmt Josephes Kind Philipp auf den Arm, weigert sich in der Kirche beharrlich, die Schuldigen auszuliefern, und verteidigt die Kinder mit gezogenem Degen gegen den wütenden Mob.

Shadow

Ein Mann von unerschütterlicher ritterlicher Gesinnung, welcher durch ein fatales Missverständnis und die Gewalt des Mobs das eigene leibliche Kind Juan verliert, jedoch am Ende das gerettete Kind der getöteten Liebenden an Sohnes statt annimmt.

Tell

Sein ruhiger, entschlossener Blick und der blanke Degen, mit dem er sich schützend vor die Wehrlosen stellt.

09 · persona editorial

Don Pedro.

Projection

Don Pedro - der Bruder von Don Fernando -, welcher als besonnener Bürger und Vermittler in der zerrissenen Gesellschaft von Santiago agiert und die Gruppe um Fernando im Tal der Geretteten begleitet.

Action

Er warnt die Gruppe vor der Rückkehr in die Stadt, versucht während des Tumults in der Dominikanerkirche zu schlichten und bemüht sich, die Wut des Mobs durch rationale Einrede aufzuhalten.

Shadow

Ein wohlmeinender Repräsentant der bürgerlichen Vernunft, welcher den Kräften des religiösen Wahnsinns und der irrationalen Gewalt machtlos gegenübersteht und die Eskalation der Katastrophe nicht verhindern kann.

Tell

Sein beschwichtigendes Heben der Hände inmitten der aufgeregten Menge in der Kirche.

10 · persona editorial

Jeronimo.

Projection

Jeronimo Rugera - ein junger Hauslehrer aus Neapel -, welcher in Santiago de Chili eine unstandesgemäße Liebesbeziehung zu der adligen Josephe Asteron eingeht, dafür zum Tode verurteilt wird und im Moment seiner tiefsten Verzweiflung im Gefängnis durch das Erdbeben gerettet wird.

Action

Er entflieht den stürzenden Gefängnismauern, irrt verzweifelt suchend durch die brennende Stadt, findet Josephe an der Quelle im idyllischen Tal wieder und schöpft neue Hoffnung auf ein freies, gemeinsames Leben abseits gesellschaftlicher Schranken.

Shadow

Ein von Todesangst und plötzlicher Erleichterung traumatisierter Liebender, welcher im Moment des scheinbaren Wunders den Glauben an eine gütige Vorsehung fasst, jedoch der mörderischen Gewalt des resynchronisierten Mobs hilflos ausgeliefert ist.

Tell

Sein verzweifelter Griff nach dem Strick zur Selbsttötung in der Gefängniszelle, gefolgt von dem ungläubigen Staunen über das Zerreißen der Mauern.

11 · persona editorial

Josephe.

Projection

Josephe Asteron - die Tochter des reichsten Ritters der Stadt -, welche wegen ihrer heimlichen und folgenreichen Liebe zum Hauslehrer Jeronimo zur öffentlichen Hinrichtung verurteilt wird und auf dem Weg zum Richtplatz durch die Katastrophe des Erdbebens gerettet wird.

Action

Sie rettet ihr neugeborenes Kind Philipp aus den Trümmern des brennenden Klosters, flieht aus der Stadt und findet im Tal der Geretteten ihren geliebten Jeronimo wieder, wo sie bereitwillig an einer utopischen Gemeinschaft des Teilens mitwirkt.

Shadow

Eine von moralischer Ächtung und Mutterschaft gezeichnete Frau, welche die gesellschaftliche Verurteilung klaglos hinnimmt, jedoch im Tempel der wiedererrichteten Ordnung als Sündenbock für die Katastrophe grausam erschlagen wird.

Tell

Ihr entschlossener Gang durch die rauchenden Trümmer des Klosters, einzig geleitet vom Schrei ihres Kindes.

12 · persona editorial

Meister Pedro.

Projection

Meister Pedro - ein Schuhmacher aus Santiago -, welcher sich an die Spitze des fanatisierten Mobs stellt und als brutaler Vollstrecker des vermeintlichen göttlichen Willens agiert.

Action

Er erkennt die Liebenden in der Kirche, hetzt die Menge auf, erschlägt Jeronimo und Josephe mit seiner Keule und tötet im Rausch des Gemetzels fälschlicherweise das Kind Juan.

Shadow

Ein kleinbürgerlicher Handwerker, der durch das Trauma der Katastrophe und die kirchliche Aufhetzung zum willenlosen, grausamen Instrument des kollektiven Verfolgungswahns wird.

Tell

Seine geschwungene Keule und das triumphierende Geschrei beim Erschlagen der Wehrlosen.

14 · place editorial

Santiago.

Shown

Die Stadt Santiago de Chili - sich wandelnd von einer starren, repressiven Metropole des Jahres 1647 über die rauchenden Trümmerberge der Zerstörung bis hin zum lieblichen, grünen Tal außerhalb der Stadtmauern und der düsteren Dominikanerkirche.

Offers

Den Liebenden zuerst den Kerker und den Richtplatz, nach der Katastrophe jedoch das schattige Granatapfelwäldchen im Piniental als paradiesischen Ort der Gleichheit und des Friedens.

Withheld

Die dauerhafte Sicherheit der Utopie, da die Überlebenden durch den verhängnisvollen Danksagungsgottesdienst in die Ruinen der Stadt zurückgelockt werden, wo die Dominikanerkirche zur tödlichen Arena der wiedererrichteten Ordnung wird.

16 · piece editorial

Das Philipp-Kind.

Load bearing

Das ungeborene Kind Philipp war die Ursache für Josephes Todesurteil; nach der Geburt und der Katastrophe wird der Säugling zum physischen Pfand des Überlebens und zur Chiffre für eine neue, unschuldige Generation im Tal der Geretteten.

Apparent

Ein neugeborener Knabe, der unbewusst von Arm zu Arm gereicht wird und schließlich durch ein Missverständnis in den Händen Don Fernandos überlebt, während dessen eigenes Kind Juan vom wütenden Mob erschlagen wird.

Yearbook

Auf den Stufen der Dominikanerkirche während Josephes Ohnmacht geboren, im Moment der Katastrophe aus dem brennenden Kloster gerettet, im Tal als Symbol der Utopie gepflegt und am Ende von Don Fernando adoptiert.

18 · position editorial

Edler Beschützer.

Has

Den ritterlichen Ehrenkodex, die Pflicht zur Verteidigung der Schwachen, das eigene Kind als Pfand des Lebens und die Zuversicht in die bürgerliche Ordnung.

Orders

Dem Inhaber wird befohlen, die gesellschaftlich Geächteten im idyllischen Tal gastfreundlich aufzunehmen, sie vor Vorwürfen zu verteidigen, die Danksagung in der Kirche zu begleiten und das anvertraute Kind mit Waffengewalt gegen den tobenden Mob zu schützen.

Loses

Sein eigenes leibliches Kind durch die tödliche Verwechslung und den Glauben an den rationalen Schutz zivilisierter und religiöser Institutionen.

Drives

Das Beharren auf Anstand, Verwandtenpflicht und ritterlichem Schutz für die Wehrlosen, selbst unter Androhung des Todes.

19 · position editorial

Fanatiker.

Has

Die absolute theologische Deutungshoheit über Naturkatastrophen, den unerbittlichen Eifer zur Re-Etablierung klerikaler Sittenregeln und den eisernen Willen zur Sündenbock-Zuweisung.

Orders

Dem Inhaber wird befohlen, das Erdbeben als göttlichen Zorn über die moralische Verderbnis darzustellen, die Schuldigen (Jeronimo und Josephe) öffentlich zu brandmarken und die Überlebenden zum Sühnewerk der gewaltsamen Reinigung aufzufordern.

Loses

Die christliche Nächstenliebe und das Erbarmen mit den Geächteten im Namen eines strafenden, rachsüchtigen Gottes.

Drives

Die kompromisslose Wiederherstellung der kirchlichen Macht und der gesellschaftlichen Zwangsnormen durch die Mobilisierung kollektiven Hasses.

20 · position editorial

Gerettete Mutter.

Has

Den unbedingten Mut zur Rettung des Kindes inmitten trümmerhafter Verwüstung, die Sehnsucht nach familiärer Geborgenheit und die Bereitschaft zur Versöhnung im Kreis der Schicksalsgefährten.

Orders

Dem Inhaber wird befohlen, das Kind aus den Flammen zu befreien, sich mit dem Geliebten im Tal zu vereinen, an der utopischen Mahlgemeinschaft teilzunehmen und den Frieden des Tempels zu suchen, um Gott für die Rettung zu danken.

Loses

Die Sicherheit des elterlichen Hauses, den klösterlichen Schutz und schließlich das eigene Leben durch den tödlichen Schlag des Keulenträgers.

Drives

Die Existenzsicherung des neugeborenen Kindes und das Überwinden der gesellschaftlichen Stigmatisierung durch mütterliche Liebe.

21 · position editorial

Geretteter Liebhaber.

Has

Die Erfahrung des plötzlichen Umschwungs von Todesangst in utopische Freiheit, das tiefe Bedürfnis nach Schutz der Geliebten und den Glauben an eine gütige Vorsehung.

Orders

Dem Inhaber wird befohlen, das Wunder der Rettung anzunehmen, der Geliebten ins grüne Tal zu folgen, die neu gewonnene Gleichheit der Menschen im Ausnahmezustand zu leben und sich dem mörderischen Mob entgegenzustellen.

Loses

Die Angst vor dem Kerker, das Misstrauen gegenüber der ständischen Welt und letztlich das eigene Leben durch die blutige Gewalt in der Kirche.

Drives

Die Vereinigung mit der Geliebten und das Beharren auf der Güte einer göttlichen Weltordnung inmitten des Chaos.

22 · position editorial

Mobführer.

Has

Den dumpfen Drang nach Rache für das erlittene Leid, die Bereitschaft zur Gewalttat als vermeintlich göttliches Sühnewerk und das blinde Ausführen kollektiver Tötungsbefehle.

Orders

Dem Inhaber wird befohlen, die Geächteten im Gotteshaus zu identifizieren, die Menge aufzuwiegeln, die Verfolgten mörderisch anzugreifen und jede Einrede von Vernunft oder Gnade mit physischer Gewalt niederzuschlagen.

Loses

Die individuelle moralische Verantwortung, das Bewusstsein für die Identität der Opfer und das menschliche Mitgefühl im Rausch der gemeinschaftlichen Bluttat.

Drives

Die gewaltsame Reinigung der Gesellschaft durch die vollkommene Vernichtung der vermeintlichen Sündenböcke.

23 · position editorial

Vermittler Pedro.

Has

Den Sinn für bürgerlichen Frieden, die Skepsis gegenüber der instabilen Stimmung der Bevölkerung in Santiago und das Streben nach rationaler Deeskalation.

Orders

Dem Inhaber wird befohlen, die Liebenden vor Gefahren bei der Rückkehr in die Stadt zu warnen, im Moment der aufkeimenden religiösen Hysterie beruhigend einzugreifen und zwischen dem fanatisierten Mob und der bedrohten Familie zu vermitteln.

Loses

Den Einfluss auf die aufgebrachte Menge und das Vertrauen in die ordnende Macht gesellschaftlicher Vernunft.

Drives

Die Abwendung von Blutvergießen und die Wahrung des inneren Friedens durch besonnene bürgerliche Vermittlung.

25 · process editorial

Die Systemresynchronisation.

Initiated by

Die Rückkehr der überlebenden Bürger Santiagos in die zerstörte Stadt und das physische Wiederzusammentreffen unter der geistlichen Führung der Priester in der heiligen Dominikanerkirche.

Direction

Die Systemresynchronisation stellt die repressiven ständischen und religiösen Zwänge der alten Ordnung wieder her; der Ausnahmezustand der Gleichheit wird rückgängig gemacht, indem die unbewältigte Angst vor der Naturkatastrophe in kollektive, religiös legitimierte Sündenbock-Gewalt gegen die Liebenden umgeleitet wird.

Lever

Der religiöse Wahn und die Angst vor weiterem göttlichen Zorn, welche von den Kanzeln herab geschürt werden und die Menge als willenloses, mörderisches Instrument (den Mob) zusammenschweißen.

Echo

Die blutige Wiederherstellung des gesellschaftlichen Status quo durch das Opfer der Liebenden Jeronimo und Josephe und die Fortexistenz des unschuldigen Kindes Philipp als überlebender Keim der Utopie in der Obhut Don Fernandos.

27 · plan editorial

Die Flucht und Zuflucht.

Direction

Der gemeinschaftliche Plan der Liebenden Jeronimo und Josephe, nach ihrer wundersamen Errettung die zerstörte Stadt zu verlassen, um in einer fernen Provinz (oder in Spanien) ein neues, freies Leben mit ihrem Kind Philipp aufzubauen, welcher jedoch durch den Entschluss, am Danksagungsgottesdienst in der Dominikanerkirche teilzunehmen, tödlich vereitelt wird.

Orders

Den Inhabern wird befohlen, das Lager im Piniental abzubrechen, Proviant zu sammeln, sich für die Reise auszurüsten, die Danksagung im Gotteshaus zu absolvieren und danach die Stadt in Richtung der Häfen zu verlassen.

Implementation

Der Plan scheitert bei der Umsetzung: Statt die schützende Distanz zur Stadt zu wahren, treibt der Wunsch nach religiöser Versöhnung und Dankbarkeit die Liebenden zurück in den Einflussbereich der alten Ordnung, wo der Gottesdienst zur Falle wird.

Targets

  • [ ] Die Liebenden im idyllischen Piniental wiedervereinen
  • [ ] Proviant und notwendige Reisemittel für die Flucht organisieren
  • [ ] Den Entschluss zur Danksagung in der Dominikanerkirche fassen
  • [ ] Den Danksagungsgottesdienst in der Kirche unbeschadet überstehen
  • [ ] Santiago endgültig verlassen und ein neues Leben in der Fremde beginnen

28 · reference warrant

Line Of Work.

Modellierung der dramatischen und sozio-religiösen Strukturen von Heinrich von Kleists berühmter Novelle Das Erdbeben in Chili als geschlossenes System. Die Inszenierung konzentriert sich auf das Wechselspiel zwischen dem plötzlichen Kollaps gesellschaftlicher Zwänge und der gewaltsamen Resynchronisation der moralischen Normen.

29 · reference warrant

Origin.

Projekt Gutenberg E-Book 6650, basierend auf der Erstveröffentlichung von 1807 unter dem Titel "Jeronimo und Josephe", angesiedelt im historischen Erdbeben von Santiago de Chile im Jahre 1647.

30 · reference warrant

Restrictions.

  • Realismus-Verzicht: Das System verzichtet auf geographische und historische Details jenseits der tragenden Vektoren (der Einsturz der Kerker, die Utopie im Tal, die fanatische Kanzelrede in der Dominikanerkirche und das Massaker durch den wütenden Mob).
  • Sprachregelung: Systemtitel und Metadaten folgen den globalen englischen Schemata, während alle Akteure, Handlungen und Prozesse in Kleists originalem Deutsch verfasst sind.
32 · download artifact

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