Plot 1: Der Handel im Wald
Der erste König reitet zur Jagd und verirrt sich im großen Wald. Er irrt umher, bis es dunkel wird. Da begegnet ihm die Hexe und fordert ihren Preis: ihre Tochter zur Gemahlin, oder er findet nimmermehr hinaus. Er willigt ein. Sie führt ihn aus dem Forst. Die Hochzeit wird gehalten. Aus Furcht vor der bösen Stiefmutter verbirgt der König seine sieben Kinder im geheimen Waldschloss und besucht sie mithilfe des Garnknäuels. Die neue Königin aber besticht die Diener, erfährt das Geheimnis, entwendet das Garnknäuel und findet das Schloss. Die sechs Brüder laufen ihr entgegen und meinen, es sei ihr Vater. Da wirft sie über jeden ein Hemdchen. Alsbald werden sie zu Schwänen und fliegen davon. Das Mädchen aber lief nicht hinaus; die Königin weiß nicht, dass es lebt. Ende: Das Mädchen sieht sechs Schwäne aus dem Schlosshof fliegen. Sie sammelt die Federn auf. Die Brüder sind fort.
Plot 2: Die Verzauberung
Der König kommt am nächsten Tage und findet nur seine Tochter. Sie zeigt ihm die Federn und klagt, was sie geschaut hat. Da grämt er sich tief. Das Mädchen aber bleibt in der Nacht allein zurück und geht in den Wald, ihre Brüder zu suchen. Sie wandert die Nacht und den folgenden Tag hindurch. Schließlich tritt sie in eine Räuberhütte und verbirgt sich unter einem Bett. Zur Dämmerung fliegen sechs Schwäne zum Fenster herein, blasen ihre Federn ab und streifen die Schwanenhäute ab. Da erkennt sie ihre Brüder. Sie aber warnen sie: Dies sei eine Mörderherberge und die Viertelstunde sei bald um. Sie fragt, ob sie nicht erlöst werden können. Da nennen sie das Gebot: sechs Jahre lang kein Wort sprechen und nicht lachen, und sechs Hemden aus Sternblumen nähen. Ein einziges Wort bricht den Zauber. Die Viertelstunde schließt sich. Sie werden wieder zu Schwänen und fliegen davon. Ende: Das Schwesterchen gelobt, ihre Brüder zu erlösen, und sollte es ihr Leben kosten.
Plot 3: Das Gebot
Das Schwesterchen verlässt die Hütte. Sie geht mitten in den Wald, steigt auf einen Baum, sammelt Sternblumen und beginnt zu nähen. Sie spricht kein Wort. Sie lacht nicht. Sie sitzt auf dem Baum und blickt auf nichts als ihre Arbeit. Da reiten des zweiten Königs Jäger in den Wald und kommen zu dem Baum. Sie rufen ihr zu; sie gibt keine Antwort. Da steigen sie hinauf und bringen sie herab vor den König. Er befragt sie in allen Sprachen, die er weiß. Sie aber bleibt stumm wie ein Fisch. Er hüllt sie in seinen Mantel, führt sie an seinen Hof und lässt ihr reiche Kleider geben. Er begehrt sie zur Ehe; sie kann sich nicht wehren und kann sich nicht erklären. Nach wenigen Tagen wird die Hochzeit gefeiert. Ende: Die stumme Frau ist nun Königin am Hofe des zweiten Königs, näht noch immer und spricht kein Wort.
Plot 4: Die stumme Ehe
Des Königs Mutter ist voller Zorn. Sie verleumdet die stumme Königin bei allen im Schloss. Ein Jahr vergeht. Die Königin gebiert ein Kind. Da nimmt die Königin-Mutter den Säugling in der Nacht hinweg und bestreicht den Mund der schlafenden Königin mit Blut. Sie geht zum König und klagt, die Königin habe ihr eigenes Kind gefressen. Der König kann es nicht glauben und leidet nicht, dass man ihr ein Leid tut. Die Königin näht. Ein zweites Kind wird geboren; da geschieht dasselbe aufs Neue. Der König hält noch immer fest an ihr. Ein drittes Kind wird geboren; da folgen der dritte Raub und die dritte Klage. Der König kann sich dem Gesetz nicht länger widersetzen. Er bringt die Königin vor das Gericht. Sie verteidigt sich nicht. Da wird sie verurteilt, den Tod im Feuer zu erleiden. Ende: Das Urteil ist gesprochen. Der Tag des Feuers ist bestimmt.
Plot 5: Das Feuer und die Hemden
Der Tag des Urteils ist der letzte Tag des sechsten Jahres. Die sechs Hemden sind fertig; nur am jüngsten fehlt noch der linke Ärmel. Das Schwesterchen wird mit den Hemden auf dem Arm zum Scheiterhaufen geführt. Sie besteigt das Holz. Als das Feuer entzündet werden soll, blickt sie auf und sieht sechs Schwäne durch die Luft daherziehen. Sie wirft ihnen die Hemden über, als sie niedersinken. Da fallen die Schwanenhäute ab. Fünf Brüder stehen leibhaftig vor ihr. Der jüngste aber hat einen Schwanenflügel anstelle des linken Arms: Der Ärmel war nicht da. Ende: Der Zauber ist gelöst. Das Schweigen ist gebrochen.
Plot 6: Das gewendete Urteil
Das Schwesterchen spricht. Sie beteuert vor dem zweiten König ihre Unschuld und klagt die Königin-Mutter an. Sie nennt, was getan ward: die drei Kinder geraubt, das Blut auf den Lippen, die falschen Klagen. Die drei Kinder der Königin werden lebend herbeigebracht. Der König ist tief bewegt. Die böse Königin-Mutter wird an den Pfahl gebunden und im Feuer zu Asche verbrannt. Ende: Das Urteil ist gewendet. Der König, die Königin und die sechs Brüder leben fortan glücklich und in Frieden.