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khai plays · a playbook

Marienkind.

Grimm
00 · the play synopsis

Synopsis.

Name

Marienkind.

Arc

Die Jungfrau Maria nimmt ein hungerndes Holzhackerkind auf und bestraft später dessen heimliche Unfolgsamkeit.

Stakes

Ob der Stolz des Menschen vor dem göttlichen Gesetz weichen muss, und ob ein begangener Verrat durch späte Reue am Rande des Grabes noch vergeben werden kann, wenn die Seele ihre Schuld vor dem Himmel eingesteht.

Estate

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01 · plots editorial

Plots.

Plot 1: Die abgewendete Armut

Der Holzhacker hungert im Wald und kann sein dreijähriges Mädchen nicht ernähren. Da erscheint die Jungfrau Maria und nimmt das Kind mit in den Himmel. Sie sorgt für das Mädchen, so dass es ihm an nichts mangelt und es in Glück aufwächst.

Plot 2: Die verbotene Tür

Als das Mädchen vierzehn Jahre alt wird, reist Maria fort. Sie vertraut ihr die Schlüssel zu den dreizehn Pforten des Himmels an, verbietet jedoch die dreizehnte. Das Mädchen öffnet nacheinander alle zwölf Zimmer, zuletzt siegt die Neugier, und sie öffnet die dreizehnte Pforte. Sie schaut das Geheimnis und berührt das goldene Licht; ihr Finger wird ganz golden.

Plot 3: Die Verbannung

Maria kehrt zurück und verlangt die Schlüssel. Sie fragt das Mädchen nach der verbotenen Tür. Das Mädchen leugnet die Tat dreimal, trotz des goldenen Fingers. Da entzieht Maria ihr die Sprache und verbannt sie in eine tiefe Wildnis, wo sie in einem hohlen Baum haust.

Plot 4: Die königliche Ehe

Der König jagt im Wald, findet das schöne, stumme Mädchen im Baum und nimmt sie mit sich. Sie heiraten, und sie gebiert drei Kinder. Maria nimmt jedes Kind fort und fragt sie nach der Schuld. Das Mädchen verleugnet es stets. Die Ratgeber bezichtigen sie des Kindsmords.

Plot 5: Die Reue am Pfahl

Als das dritte Kind schwindet, verurteilt das Gericht die Königin zum Feuertod. Am Scheiterhaufen angekommen, entbrennt die Hitze, und ihr Hochmut weicht der bitteren Reue. Sie denkt: Könnte ich nur gestehen! Da löst sich ihr Mund, und sie ruft: „Ja, Maria, ich habe es getan!“ Die Wolken brechen auf, Maria erscheint, löscht das Feuer und gibt ihr die Kinder und die Stimme zurück.

02 · plot editorial

Die abgewendete Armut.

Cue

Der irdischer Wald. Der Holzhacker schlägt unter Seufzen Holz, da er seine Familie nicht mehr ernähren kann. Seine dreijährige Tochter weint in der kargen Hütte vor Hunger.

Action

Inmitten des dichten Gehölzes erscheint die Jungfrau Maria mit einer Krone auf dem Haupt. Sie verspricht dem Holzhacker, für sein Kind zu sorgen, wenn er es ihr überlässt. Der Vater willigt in seiner Not ein. Maria nimmt das Mädchen an der Hand und steigt mit ihm empor in den lichten Himmel. Dort beginnt die Pflegschaft: Das Kind erhält süßen Himmelskuchen, trinkt reine Milch und wird von den Englein in Freude umgeben, so dass es ihm an nichts mangelt.

Tension

Die biologische Armut erzwingt die Trennung von Vater und Kind. Die Not des Erdenlebens weicht dem überirdischen Frieden. Doch mit dem Eintritt in die göttliche Sphäre und der Annahme der himmlischen Wohltaten wird das Mädchen dem moralischen Gesetz des Reichs unterworfen, dessen Übertretung schwerer wiegt als weltlicher Hunger.

03 · plot editorial

Die königliche Ehe.

Cue

Die Wildnis und das Königsschloss. Die Hunde des Königs kläffen vor der hohlen Buche. Später im Schloss liegen die Königin im Kindbett und die Ratgeber in Lauerstellung.

Action

Der König bricht durch das Dickicht und findet das stumme Mädchen. Er führt sie auf sein Königsschloss und nimmt sie zur Gemahlin (Königin). Als sie nach einem Jahr den ersten Sohn gebiert, erscheint die Jungfrau Maria nachts, bietet ihr die Sprache und die Rückgabe des Kinds an, wenn sie das Zimmergeständnis ablegt. Die Königin verweigert es (Verleugnung). Maria nimmt das Kind fort. Dies wiederholt sich beim zweiten Sohn und der ersten Tochter. Die Ratgeber raunen laut und klagen die stumme Königin des Kindsmords und der Hexerei an. Der König schützt sie zweimal vor dem Tode, doch beim dritten Mal muss er einwilligen, sie vor das Gericht zu stellen, das sie zum Scheiterhaufen verurteilt.

Stage

  • wilderness: Ort des Findens und des Auszugs.
  • royal-castle: Ort der königlichen Freuden, der stillen Kindbetten und des Hofgerichts.
  • Mädchen: stumme Königin, verliert ihre Kinder durch ihr Beharren auf der Lüge.
  • king: zerrissen zwischen der Liebe zu seiner Gemahlin und den Gesetzen des Hofes.
  • counselors: hetzen das Volk auf und erwirken das Todesurteil.
  • mary: prüft die Königin im Kindbett, entführt die Neugeborenen.

Tension

Die weltliche Erhöhung bietet keinen Schutz vor dem unaufgelösten Himmelskonflikt. Jedes Kind ist ein Pfand des Lebens, doch das Mädchen schätzt ihren Stolz höher ein als das Mutterglück. Maria treibt die Prüfung auf die Spitze, indem sie die weltliche Zuflucht der Königin durch den Verdacht der Höflinge zerstört. Das stumme Leiden der Königin bereitet den Weg für das unausweichliche Endgericht.

04 · plot editorial

Die Reue am Pfahl.

Action

Die Flammen werden an den Ecken des Scheiterhaufens entzündet und züngeln zischend empor. Als die rote Glut das Gewand der Königin erfasst, bricht das Eis ihres Stolzes vor dem Tode jäh. Ein heißer Schmerz und bittere Reue durchdringen ihr Herz. Sie wünscht sehnlichst, vor ihrem Ende ihr Unrecht zu bekennen. Da kehrt ihre Stimme zurück; sie ruft laut durch den Rauch: „Ja, Maria, ich habe es getan!“. Alsbald öffnet sich der Himmel, ein starker Platzregen stürzt herab und löscht das lodernde Feuer vollständig. Die Jungfrau Maria schwebt in glänzender Glorie herab, die drei Söhne und Töchter an ihrer Hand führend. Sie löst die Fesseln der Königin, gibt ihr die Kinder und die Sprache wieder und schenkt ihr den ewigen himmlischen Segen.

Stage

  • royal-castle: Ort des Todesgerichts, das zur Stätte des Wunders wird.
  • pyre: Instrument des Flammentods und der inneren Reinigung.
  • Mädchen: bekennt am Pfahl ihre Schuld, erlangt Vergebung, Stimme und Kinder zurück.
  • mary: Göttliche Gnadenmutter, löscht das Feuer und stellt die Familie wieder her.
  • king: befreit vom Schmerz, nimmt Gemahlin und Kinder in Empfang.
  • counselors: Zeugen des Wunders, beschämt und verstummt.

Tension

Die äußerste physische Not zwingt den stolzen Willen in die Knie. Die Worte des Bekenntnisses brechen das Siegel der Stummheit. Das Geständnis tilgt die Schuld im selben Moment, da sie ausgesprochen wird. Die Gnade Marias triumphiert über das weltliche Urteil und wandelt das drohende Sterben in eine vollkommene Restitution des irdischen und überirdischen Friedens um.

05 · plot editorial

Die Verbannung.

Action

Die Jungfrau Maria nimmt die Schlüssel entgegen und spürt an der Glut des Rings, dass die dreizehnte Tür geöffnet ward. Sie blickt auf den goldenen Finger des Mädchens und klagt sie an. Das Mädchen verfällt in Verleugnung und behauptet, sie habe das Gemach nicht betreten. Zweimal wiederholt Maria die Frage, doch das Mädchen verharrt stolz bei ihrer Lüge. Da entzieht Maria ihr die Stimme zur Strafe für die Unwahrheit. Das Mädchen sinkt in tiefen Schlaf und wird hinab auf die Erde in eine dichte, dornige Wildnis verstoßen. Dort erwacht sie stumm und nackt im hohlen Stamm einer Buche.

Stage

  • Himmel: Ort des göttlichen Verhörs.
  • wilderness: neuer Aufenthaltsort im dornigen Dornendickicht.
  • Jungfrau Maria: Hüterin der Wahrheit, vollstreckt das Exil und den Sprachentzug.
  • Mädchen: beharrt auf der Unwahrheit, stumm und verbannt.

Tension

Die Unwahrheit zerstört die Gemeinschaft mit dem Heiligen. Maria verlangt kein Sühnopfer, sondern das Geständnis der Sünde. Doch der Stolz des Mädchens blockiert den Mund. Da sie ihre Zunge zum Lügen missbrauchte, wird sie ihr genommen. Das Exil in der stummen Natur spiegelt ihren eigenen, verstockten Zustand wider: nackt, wortlos und von Dornen umschlossen.

06 · plot editorial

Die verbotene Tür.

Action

Die Jungfrau Maria übergibt dem Mädchen die dreizehn Schlüssel. Sie erlaubt das Öffnen der ersten zwölf Zimmer, verbietet aber bei Strafe den Eintritt in das dreizehnte Zimmer. Nachdem Maria fortgereist ist, öffnet das Mädchen täglich eine Pforte und bestaunt die lichten Gemächer und die Apostel im Glanz. Schließlich siegt der Vorwitz; sie tritt vor die dreizehnte Pforte, schließt sie auf und betritt das Zimmer (Übertretung). Sie schaut die Dreifaltigkeit im Feuerglanz. Sie taucht den Finger in das goldene Himmelslicht, das alles erfüllt, und ihr Finger wird von oben bis unten mit Gold überzogen. Erschrocken zieht sie den Finger zurück, wischt ihn ab, doch das Gold bleibt fest auf der Haut.

Stage

  • Himmel: Ort der zwölf rechtmäßig geöffneten Prachtzimmer.
  • forbidden-room: Stätte des verbotenen, goldenen Mysteriums.
  • Mädchen: erliegt der Versuchung, färbt sich den Finger mit Gold.
  • Schlüssel: Ring des Vertrauens, wird zum Instrument des Übertritts.

Tension

Die verbotene Schwelle zieht das Mädchen magisch an. Das Gebot verlangt Gehorsam ohne Verstehen, doch das Kind setzt den eigenen Willen über das Gesetz Marias. Der glänzende Finger zeugt von der Berührung des Heiligen im Zustand des Ungehorsams; die Tat ist vollbracht und lässt sich nicht ungeschehen machen.

08 · pitch editorial

das Grauen.

Tenor

Das Grauen. Die enge, atemlose Spannung vor der einen Tür, die nicht geöffnet werden darf. Zwölf Pforten gehen leicht auf, eine bleibt verboten, und gerade sie zieht das Mädchen an sich. Mit jedem Tag wächst die Lockung, mit jedem Tag steht der dreizehnte Schlüssel schwerer in der Hand. Gespielt wird in der gespannten, gedämpften Tonlage der Schwelle, hinter der etwas wartet, das man nicht sehen soll und doch sehen wird.

Undertow

Unter dem Grauen liegt die Lockung des Lichts. Was hinter der Pforte aufstrahlt, ist nicht finster, sondern golden und herrlich, und gerade die Schönheit macht die Übertretung süß. So ist das Grauen hier kein Ekel, sondern die Angst vor dem eigenen Verlangen, das stärker ist als das Verbot. Das hält die Tonart davon ab, in plumpen Schauder zu fallen: das Verbotene strahlt, ehe es straft.

Nerve

Getroffen wird der Sog des Verbotenen. Das Gefühl, die Hand schon an der einen Tür zu wissen, die verschlossen bleiben muss, und sie dennoch nicht zurückziehen zu können. Es spielt für die Spannung zwischen dem Wort, das gehorchen heißt, und der Neugier, die schon gehandelt hat, ehe der Wille entscheidet.

Echo

Was bleibt, ist der golden gefärbte Finger, der sich nicht mehr abwaschen lässt: das stille Mal der überschrittenen Schwelle, das die Tat verrät, sooft man sie leugnet. Der Nachgeschmack ist das beklommene Wissen, dass manche Tür, einmal geöffnet, sich nie wieder ganz schließt, und dass das Dunkel hinter der Schwelle einen gezeichnet hat.

09 · pitch editorial

die Trauer.

Tenor

Die Trauer. Der lange, stumme Schmerz dessen, der seine Schuld nicht über die Lippen bringt und alles darüber verliert. Das Mädchen wird der Sprache beraubt und in die Wildnis gestoßen, haust im hohlen Baum, wird Königin und sieht doch jedes Kind, das sie gebiert, im Arm der Maria verschwinden. Ein Verlust folgt dem andern, und keiner lässt sich abwenden, solange das eine Wort ungesagt bleibt. Gespielt wird in der gedämpften, dunklen Tonlage des Verstummens, in dem jeder Tag schwerer wiegt.

Undertow

Unter der Trauer liegt der Stolz, der sich selber straft. Trotz des golden gefärbten Fingers leugnet sie dreimal, und jedes Leugnen kostet sie ein Kind. So ist die Trauer nicht reine Unschuld: sie ist das Leiden an der eigenen Verstocktheit, das Wissen, dass ein einziges Geständnis alles wenden könnte, und das stumme Nichtkönnen. Das hält die Tonart davon ab, in bloßes Selbstmitleid zu sinken: der Schmerz ist verdient und gerade darum bitter.

Nerve

Getroffen wird das Mitleid mit dem, der zu spät spricht. Das Gefühl, einem Menschen zuzusehen, der sich an seinem eigenen Schweigen zugrunde richtet, und ihn doch nicht zum Reden bewegen zu können. Es spielt für die Sehnsucht nach dem Wort, das alles löst, und für die Angst, dass es nie kommt.

Echo

Was bleibt, ist der Ruf vom brennenden Holz: „Ja, Maria, ich habe es getan!“ Das Geständnis kommt am Rande des Feuers, in höchster Not, und löscht es. Der Nachgeschmack ist die späte, fast unverdiente Milde: die Wolken brechen auf, die Kinder kehren zurück, und die Trauer löst sich in das stille Staunen, dass Erbarmen noch wartet, wenn der Mensch endlich aufhört zu leugnen.

11 · persona editorial

Jungfrau Maria.

Projection

Die Jungfrau Maria, Himmelskönigin von unendlicher Herrlichkeit. Sie ist eine milde Pflegerin für die Bedürftigen, doch eine strenge Hüterin der Wahrheit. Ihre Gerechtigkeit kennt kein Zaudern, und ihr Wort steht fest.

Shadow

Sie vertritt die absolute göttliche Sühneordnung. Ihre Strafmaßnahmen (Muteness, Kindsraub) erscheinen dem irdischen Auge als unerbittlich und erschreckend. Doch sie bezwecken nicht Verdammnis, sondern die Umkehr des sündigen Willens. Sobald der Hochmut weicht, ergießt sich ihre Barmherzigkeit.

Tell

Ein weißes, strahlendes Gewand und ein süßer Duft von Rosen und Weihrauch.

12 · persona editorial

König.

Projection

Ein gütiger und gerechter König auf Erden, der die Jagd und den Wald liebt. Sein Herz ist der stummen Jungfrau in tiefer Zuneigung zugetan, und er schützt sie gegen jeden Argwohn des Hofes.

Action

Er reitet zur Jagd in die Wildnis und entdeckt das Mädchen im hohlen Baum. Er nimmt sie mit auf sein Königsschloss und krönt sie zur Königin. Er verteidigt sie zweimal gegen das Drängen seiner Ratgeber, als die Kinder verschwinden. Erst beim dritten Kind beugt er sich dem Druck des Gerichts und willigt unter Tränen in den Feuertod auf dem Scheiterhaufen ein.

Shadow

Er verkörpert die weltliche Justiz und die Machtlosigkeit der Liebe vor dem Gesetz. Seine Verteidigung der stummen Königin scheitert an ihrem eigenen Schweigen; er kann sie nicht erlösen, da sie sich weigert, ihr Geheimnis preiszugeben. Seine Liebe muss dem Willen des Volkes und des Hofes weichen.

Tell

Das helle Blasen des Jagdhorns und der Ruf seiner Meute durch das dichte Unterholz.

13 · persona editorial

Mädchen.

Projection

Sie ist anfangs ein armes, hungerndes Holzhackermädchen. Im Himmel wächst sie zu einer Jungfrau von seltener Schönheit und Lieblichkeit heran. Doch ihr Herz birgt Neugier, Stolz und einen stummen Eigensinn.

Shadow

Sie verkörpert den menschlichen Hochmut und den Sündenfall durch Neugier. Ihr Beharren auf der Lüge blockiert jeden Weg der Barmherzigkeit. Sie erleidet den Verlust ihrer Liebsten nicht durch das Schicksal, sondern durch ihren eigenen, starren Trotz, bis der Feuertod sie zur Wahrheit zwingt.

Tell

Ein goldener Finger, den sie ängstlich vor fremden Blicken unter ihrem Gewand verbirgt, und ein stummes, leidloses Schweigen.

14 · persona editorial

Ratgeber.

Projection

Die Ratgeber des Königs, die von Argwohn und Neid gegen die stumme Königin geleitet werden. Sie glauben nicht an das Wunder ihrer Herkunft und deuten ihr Schweigen als Zeichen böser Absichten und unheiliger Herkunft.

Action

Sie beobachten das geheimnisvolle Schwinden der Neugeborenen. Sie klagen die stumme Königin offen an, sie sei eine Menschenfresserin und übe Hexerei. Sie verlangen vom König Gerechtigkeit und erwirken schließlich das Todesurteil. Sie errichten den Scheiterhaufen und treiben die Hinrichtung voran.

Shadow

Sie verkörpern das unbarmherzige Urteil des Volkszorns und der weltlichen Verdächtigung. Da sie keine göttliche Führung kennen, beurteilen sie die Königin rein nach den äußeren, verdächtigen Tatsachen. Ihre Anschuldigungen sind der Katalysator, der die Königin an die Schwelle des Todes und damit zur Rettung führt.

Tell

Das leise, unaufhörliche Raunen und Tuscheln in den Winkeln des Königsschlosses.

16 · place editorial

dreizehntes Zimmer.

Shown

Das dreizehnte, verbotene Zimmer im Himmel. Ein überirdisches, helles Licht dringt durch die Ritzen der Tür. Im Innern thront die heilige Dreifaltigkeit in feurigem Glanz und unermesslicher Pracht.

Holds

  • das göttliche Licht: das alles berührte mit ewigem Gold überzieht.

Offers

Die Schau des höchsten Himmelsgeheimnisses für die Würdigen.

Withheld

Den Zutritt für das unbefugte Mädchen; das Zimmer bestraft den Übertritt des Verbots durch den unauslöschlichen Goldstaub auf dem Finger.

17 · place editorial

Himmel.

Shown

Das strahlende, lichtvolle Himmelreich. Goldene Säulen stützen die Wolkenhallen; Englein fliegen durch die Hallen, spielen mit glänzendem Spielwerk und reichen süßen Himmelskuchen.

Holds

Offers

Ein Dasein in absolutem Frieden, Sorgenfreiheit und göttlicher Fülle.

Withheld

Das Geheimnis des dreizehnten Zimmers; es bleibt verschlossen, um den Gehorsam des Mädchens auf die Probe zu stellen.

18 · place editorial

irdischer Wald.

Shown

Ein armseliger, finsterer Wald, in dem der Holzhacker mit seiner Familie haust. Hier steht die elende Hütte, in der Hunger und Not an der Tagesordnung sind.

Holds

  • das hungernde Mädchen: das vor Mangel und Kälte weint.
  • die Jungfrau Maria: die aus dem Wolkenhimmel herabsteigt.

Offers

Den Ort der bitteren irdischen Armut, der den Vater zwingt, sein Kind dem Himmel anzuvertrauen.

Withheld

Nahrung und Auskommen; der Wald bietet kein Brot mehr, und das Holztragen ernährt die Familie nicht.

19 · place editorial

Königsschloss.

Shown

Ein prächtiges Königsschloss mit hohen, steinernen Gemächern, reichen Teppichen und einer feierlichen Thronhalle. Im Schlafgemach steht eine hölzerne Wiege für die Kinder.

Holds

  • den König und die Königin: die das Land regieren.
  • die misstrauischen Ratgeber: die das Schweigen der Königin beobachten.
  • die Jungfrau Maria: die nachts eintritt, um die Wiege zu leeren.

Offers

Irdischen Prunk, Wohlstand und die Ehre einer Königskrone für die einstige Waldgängerin.

Withheld

Frieden; das Schloss birgt das giftige Raunen des Hofes und schützt die Königin nicht vor dem fatalen Urteil ihrer Berater.

20 · place editorial

Wildnis.

Shown

Eine öde, raue Wildnis, überwuchert von dichtem, scharfem Dornengestrüpp. Inmitten des Dickichts ragt eine alte, hohle Buche empor, die als karge Behausung dient.

Holds

  • das stumme, nackte Mädchen: das sich von wilden Kräutern ernährt und im hohlen Stamm schläft.
  • den König: der mit seinen Hunden den dichten Forst durchstreift.

Offers

Einen harten Ort der Verbannung, der physischen Entbehrung und der Buße für den gebrochenen Pakt.

Withheld

Gemeinschaft und Trost; die Wüstenei hält das Mädchen von jeder menschlichen Stimme fern, bis der König die Wildnis aufbricht.

22 · piece editorial

Scheiterhaufen.

Place

Aufgerichtet auf dem Hof des Königsschlosses zur Vollstreckung des Todesurteils.

Load bearing

Er dient als physisches Instrument der Strafe und als Wendepunkt der Handlung. Das lodernde Holz zwingt die Königin zur Kapitulation ihres Stolzes. Ohne die Bedrohung des Feuers bliebe sie in ihrer Verleugnung verfangen und verloren.

Apparent

Ein hoher Haufen aus trockenem Holz, Reisig und Scheiten, fest gefügt um einen dicken Holzpfahl in der Mitte. Er duftet nach trockenem Kiefernholz und Pech.

Yearbook

  • Aufgeschichtet von den Ratgebern und Knechten vor den Augen des Volkes.
  • Bestiegen von der zum Feuertod verurteilten, stummen Königin.
  • An den Rändern entzündet; rauchige Flammen steigen empor.
  • Schauplatz der späten Reue und des Geständnisses der Königin.
  • Erloschen unter dem plötzlichen Regen, den die Jungfrau Maria herabsendet.

23 · piece editorial

Schlüssel.

Load bearing

Sie verkörpern das in das Mädchen gesetzte Vertrauen. Der dreizehnte Schlüssel dient als Katalysator der Neugier und leitet die Übertretung ein. Ohne den Ring gäbe es keine Versuchung und keinen Einlass in das dreizehnte Zimmer.

Apparent

Ein Ring aus schimmerndem Himmelsgold, an dem dreizehn zierliche, kunstvoll gearbeitete Schlüssel hängen. Sie glänzen im Sternenlicht und klirren leise bei jeder Bewegung.

Yearbook

  • Verwahrt im Besitze der Jungfrau Maria.
  • Überreicht an das Mädchen vor Marias Aufbruch zur Prüfung der Treue.
  • Verwendet, um die ersten zwölf Gemächer nacheinander aufzuschließen.
  • Genutzt zur unbefugten Öffnung des dreizehnten Zimmers.
  • Zurückgefordert und empfangen von Maria bei ihrer Rückkehr.

25 · position editorial

Königin.

Has

Die Herrschaft über das Erdenreich zur Seite des Königs, den Thronsitz im Königsschloss und die Würde einer Fürstin.

Orders

Trage die Ehre der Krone, schenke dem Reich Thronfolger und regiere das Volk, während das Schweigen über das Waldexil und die verbotene Himmelskammer unantastbar bleibt.

Loses

Die Sprache zur Abwehr böser Gerüchte. Die Königin verliert ihre Kinder an die Jungfrau Maria und gerät unter den Verdacht des Kindsmords durch die Ratgeber, unfähig, sich selbst zu verteidigen.

Drives

Der Erhalt ihres Hauses und ihrer Ehe unter der Last des Schweigens, bis das weltliche Gericht sie zur Hinrichtung verurteilt.

26 · position editorial

Pflegekind.

Has

Den Aufenthalt im Himmel, die Pflege der Jungfrau Maria und den Zugang zu den ersten zwölf Gemächern des lichten Reichs.

Orders

Wahre den Ring der Schlüssel in Ehrfurcht, betrete die zwölf Gemächer zur Freude, doch meide die verbotene dreizehnte Pforte im Gehorsam.

Loses

Die unbeschwerte Himmelswohnung und die Fähigkeit der Rede. Der Ungehorsam entzieht dem Kind die Nähe zur göttlichen Obhut.

Drives

Die Erziehung und sittliche Reifung des hungernden Holzhackerkindes in göttlicher Gunst, bis die Eigenliebe das Gebot verletzt.

28 · process editorial

Pflegschaft.

Direction

Hin zur Befreiung des Mädchens aus der weltlichen Not und ihrer glücklichen Erziehung im Himmel als Pflegekind.

Lever

Der bittere Hunger des Vaters und die Tränen des Kindes treiben das Bündnis voran. Die Barmherzigkeit Marias öffnet die Pforten des Himmels reichlich.

Echo

Das arme Erdenkind verwandelt sich in ein behütetes Pflegekind des Himmels, das den Hunger vergisst und in lichter Fülle aufwächst.

29 · process editorial

Reue.

Initiated by

Die verurteilte Königin auf dem Scheiterhaufen, als das Feuer entzündet wird und ihr stolzes Herz erweicht.

Direction

Hin zur Befreiung vom Hochmut, dem lauten Bekenntnis der Wahrheit und der göttlichen Begnadigung durch die Jungfrau Maria.

Lever

Die Todesangst und das heiße Lecken der Flammen brechen den harten Stolz der Königin. Die Sehnsucht nach Aufrichtigkeit löst ihr Herz. Die augenblickliche Gnade Marias tilgt das Urteil des Gerichts.

Echo

Das Schweigen bricht, und die Stimme kehrt zurück. Maria löscht das Feuer, bringt die drei entführten Kinder zurück und schenkt der Königin ein Leben in Wahrheit und ewigem Frieden.

30 · process editorial

Übertretung.

Direction

Hin zum Bruch des göttlichen Verbots durch das Aufschließen des dreizehnten Zimmers und die Berührung des verbotenen Lichts.

Lever

Die stetig wachsende Neugier und das Drängen der Versuchung treiben das Mädchen zur Tat. Dem steht das explizite Verbot der Jungfrau Maria entgegen, das jedoch dem Vorwitz des Kindes erliegt.

Echo

Die Pforte des verbotenen Raums wird verletzt. Das Mädchen erblickt die Dreifaltigkeit, wird jedoch durch den goldenen Fleck auf dem Finger gezeichnet, welcher als physischer Zeuge der Sünde zurückbleibt.

31 · process editorial

Verleugnung.

Initiated by

Das Mädchen, als die Jungfrau Maria nach der Reise Rechenschaft über die Schlüssel verlangt.

Direction

Hin zur wiederholten, hartnäckigen Weigerung, die Wahrheit einzugestehen, was sich auf Erden bis zum Verlust der drei Königskinder fortsetzt.

Lever

Der tiefe Hochmut und die Furcht vor Entdeckung stützen das Leugnen. Auf der Gegenseite fordert Maria durch wiederholte Prüfungen und durch den Verlust der Kinder die Umkehr des Willens.

Echo

Das Fortbestehen der Lüge bewirkt die Verbannung und den Entzug der Sprache. Ohne die Überwindung des Schweigens verbleibt das Mädchen in Isolation, hilflos ausgeliefert vor dem Urteil der Ratgeber.

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